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Point-to-Point 2007
22. September 2007 - Ollsen/Hanstedt

Rennbericht Fraser-Cup X 2007
Start: 14:30 Uhr – ca. 3.800 m – 14 Hindernisse – ca. 18° C

Zum 65. Mal wurde das Rennen ausgetragen. Der Austragungsort hat häufig gewechselt. In der Chronik werden z. B. Rethfurt-Naherfurt, Götzberg b. Kisdorf, Gut Wohldorf, Gut Klinken, Wiemerskamp, Schierenhorst, Oering, Steegen-Bargfeld, Tangstedt, Hoisbüttel, Blumendorf, Gut Steinhorst, Waldhof, Gut Jersbek, Luhmühlen und seit 2000 die Ollsener Heide b. Hanstedt i. d. Nordheide genannt.

Angus Fraser (GB) stiftete 1934 den ersten Pokal für das Herrenrennen. Seine Idee war, den Primus inter Pares der Hunter zu ermitteln, die fünf Jagden (heute drei Jagden) in der laufenden Saison hinter der Meute des HSJV (heute auch hinter den Meuten der NM und des RWS)gejagt haben.

Siegerpferde wie „Rübe“, „Pandur“, „Salut“, „Bakkarat“, „Willenbrock“, „Czalard“, „Minerva“, „Brandy“, „Larinski“, „Mount Tout“ und „Audley“ haben als schnellste und sicherste Jagdpferde Renngeschichte geschrieben und sind mit allen anderen siegreichen Huntern „unsterblich“ - sie haben wie ihre „Jockey“s Spuren hinterlassen!

Um die Rennen ranken sich unglaubliche Geschichten: Vor dem Start werden für den Rennverlauf innige Männerfreundschaften aufgekündigt. Der ungekrönte Sieger ist der, der nach dem Rennen als Erster im vollen Besitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte und mit vollem Vorwerk an der Bar den ersten Drink zu sich nehmen kann. Bei spektakulären Stürzen wurde auch schon mal eine Nase verloren und wieder angenäht. Es hat nicht immer das schnellste aber immer das sicherste Pferd gewonnen. Häufig wurden Gräben zu Favoritenkillern. Auch nicht beachtete Flaggentore haben schon den Sieger zum Verlierer gemacht. Ein frisch getrautes Brautpaar schmückte mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft die Rennveranstaltung. Eine günstige, unauffällige Gelegenheit für einen Gast, schnell seinen Cut gegen das Renndress zu tauschen und noch anzutreten. Zur Präsentation der Starter wurde der Hochzeitsmarsch gespielt. Nicht bestätigt wurde, dass der Starter anstatt „Los“ – „Prost“ gerufen haben soll. Vor dem Ziel, noch knapp in Führung, viel ein Reiter ohnmächtig vom Sieg gewöhnten Hunter.

Thimo von Rauchhaupt sen. († 04.06.2001) ist mit 8 Siegen in der Zeit von 1962-1980 der erfolgreichste Teilnehmer am Point to Point Rennen um den Fraser-Cup. Cup IV und VI wurden von ihm gewonnen. Ulrich Steinkraus ist mit 6 Siegen in der Zeit von 1982-2000 Gewinner der Cups VII und VIII. Er stiftete den Cup IX, der von Ulrich Deus mit 3 Siegen (2003, 2004 und 2006) auf “Audley” endgültig gewonnen wurde. Ulrich Deus stiftete nach dem Reglement den Fraser-Cup X, der nun 2007 zum ersten Mal aus¬geritten wurde.

Der Pokal wurde in Handarbeit von der Silbermanufaktur Koch & Bergfeld in Bremen nach dem Motto „Silber ist unsere Leidenschaft“ aus 1.050 g 925 Silber gefertigt. Die Vorlage stammt aus dem Archiv des Traditionsunternehmens, das auch Lieferant für den berühmten Hofjuwelier des russischen Zaren in St. Petersburg war. Der Stempel der Silberschmiede trägt u. a. das Symbol der Mondsichel. 1)

1934 waren 7 Reiter am Start. In den folgenden Jahren auch häufig mehr als 10. „Tres faciunt collegium“ - dieses Jahr waren „sogar“ 4 Hunter unter Starters Order.

Präsident Gösta Schaper hatte beim Flaggenstart eine sichere Hand und schickte den Favoriten „Dolittle“, „Doc. Snuggles“, den Vollblüter „Dona Daria“ und „Peacock“ auf die Reise. Der Vorjahres¬sieger „Audley“ wurde nicht gesattelt. „Doc. Snuggles“, mehrfacher Sieger (2003, 2004 und 2006) im „Open Race“, sollte zeigen, dass er ein guter „Steher“ auch bei hohem Tempo ist und vielleicht ein zweiter „Bakkarat“ werden kann (hier muss man die Chronik des Vereins kennen, bzw. nachlesen!).

Es zeichnete sich ab, dass der Favorit „Dolittle“ seiner Führungsrolle gerecht wird. Besitzer Dr. Will Baumgarten hatte „Dolittle“ bestens auf diese Aufgabe vorbereitet und ihn täglich in den Wäldern bzw. auf den langen Waldwegen des Staatsforstes Rosengarten auf Ausdauer trainiert. Die Lebensfreude, Kraft und außerordentliche Leistungsbereitschaft des Hannoveraner Hunters war und ist noch heute gelegentlich ein Problem für seinen Reiter - besonders wenn es gilt Sprünge zu überwinden - weil er mit Höhe, Tiefe und Breite der Hindernisabmessungen spielt - und diese gewaltigen Sprünge ausgesessen werden müssen. Mit 18 Jahren entspricht sein Pferdealter dem Alter seines Besitzers - und beide sind immer noch top fit. Senior Will hat „Dolittle“ über viele Jahre im ersten Feld hinter der Meute geritten und ist Jahr für Jahr zum Rennen angetreten, um einen Fraser-Cup zu gewinnen. Es reichte immer zu guten Platzierungen, bislang aber nicht auf das oberste Treppchen! Im letzten Jahr war dann Dolittle unter Moritz von Ziegner Zweiter geworden.

Der Rennverlauf entwickelte sich wie im Vorjahr. „Jockey“ Moritz von Ziegner kannte die Stärken von „Dolittle“ und übernahm konsequent die Führung, um von Anfang an ein hohes Tempo zu machen, damit die Gegner in der Schlussphase des Rennens nicht zu stark sind. „Doc. Snuggles“ wollte sofort auf eine höhere Galoppfrequenz umschalten und „mitmischen“, musste sich aber fügen und wurde verhalten an 2. Position geritten. „Peacock“ durfte sein angebotenes Tempo gehen. Sein „Jockey“ wollte ihn zunächst aus der sicheren Position des Verfolgers an den Gräben auf Verlässlichkeit testen, was bestens gelang. Das Paar beeindruckte mit Stil und Dynamik. „Dona Daria“ ging nach dem Motto „Blut ist immer vorne.“ das Tempo problemlos mit. Es gab wenig Positionswechsel, keine spektakulären Ausreißversuche. Die Zuschauer mögen gebangt haben, ob das hohe Tempo bis zum Ziel gehalten werden kann. Die „Jockeys“ hatten alles unter Kontrolle. Ein harmonischer Rennverlauf, der Ross und Reiter mit Glückshormonen erfüllte. Nach Sprung 13 (nach ca. 3.500 m und noch ca. 300 m bis zum Ziel) signalisierte „Doc. Snuggles“ eine erstaunliche Frische und verkürzte problemlos bis auf eine Pferdelänge den Abstand zum führenden „Dolittle“. „Peacock“ und „Dona Daria“ forcierten, griffen aber nicht mehr entscheidend in den Endspurt ein. Sollte es „Doc. Snuggles“ tatsächlich noch gelingen „Dolittle“ abzufangen? Der Angriff kam! „Jockey“ Moritz von Ziegner „ausgeschlafen“ genug, hatte seine Verfolger ständig unter Kontrolle und ahnte, dass „Doc. Snuggles“ auf den letzten Metern seine Chance suchen und wahrnehmen würde. Vor dem 14. und letzten Sprung (50 m vor dem Ziel) sperrte er rechts und links das Überholmanöver so geschickt und legal, dass „Doc. Snuggles“ Gefahr lief, rechts am Hindernis vorbei zu laufen. Danach nahm „Dolittle“ auf der Ideallinie Kurs auf die stark nach rechts versetzte Ziellinie. „Doc. Snuggles“ jetzt schon auf Kruppenhöhe von „Dolittle“ kämpfte auf der äußeren längeren Bahn sich noch auf den letzten Metern auf Kopfhöhe heran.

Klarer Richterspruch: Sieger nach Kampf – Moritz von Ziegner auf „Dolittle“ - kurzer Kopf in 6 Min. und 10 Sek. Respektvolle Gratulation dem Siegerpaar! Der neue Fraser-Cup X wird nun für ein Jahr, vielleicht im Wechsel, beim Besitzer des Siegers „Dolittle“, Dr. Will Baumgarten in Alvesen stehen oder beim „Jockey“ in der „Junggesellenbude“ in Potsdam an das denkwürdige Rennen erinnern. (Mädels es lohnt sich, da oder dort einmal Silber zu putzen!).

Im Anschluss an die Rennen erfolgte die Siegerehrung für das Rennen I durch Thimo von Rauchhaupt und für das Rennen II durch den Präsidenten Gösta Schaper.

Der Renntag war wieder ein ganz besonderes sportliches Ereignis. Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der HSJV der einzige Meute führende Verein des Kontinents ist, der diese Art von Rennen noch heute veranstaltet. Über die vielen Jahre hat die Veranstaltung nichts an ihrem Charme verloren. Die Zuschauer konnten den Rennverlauf über weite Strecken sehr gut beobachten, dement¬sprechend spannend war in beiden Rennen das „gnadenlose“ Finish und sehr entspannend der „Champagner bis zum Abwinken“. Anerkennung und Dank der Siegerin, dem Sieger und den Platzierten für „Schweiß und Tränen“!

Zum abendlichen Ausklang, zum „Final Race“, trafen sich einige Teilnehmer und Zuschauer auf Hof Sudermühlen, um „noch einmal alles zu besprechen“ (wie Uli Steinkraus sagen würde, der leider nicht dabei sein konnte)!

Den nächsten Renntermin am 20.09.2008 sollten sich Cross-Country-Reiter und Fanclubs fest notieren.

1) In der Alchemie ist Silber das weibliche Element – Luna oder Diana bezeichnet das, das man wegen seines weissen Glanzes als in Sympathie-Zusammenhang mit dem Mond stehend ansah.

Sieger und Platzierte

1. Ziegner, Moritz von

(84 kg) auf “Dolittle ” 18 j. Sch. W/ Hannoveraner
Saison hinter der Meute: 11
Besitzer: Dr. Will Baumgarten

Nach Kampf, kurzer Kopf in 6 Min. 10 Sek.

2. Deus, Ulrich

(90 kg) auf „Doc. Snuggles”, 13 j. br. W/ Irland
Saison hinter der Meute: 7
Besitzer: Reiter

Weile

3. Becker, Wolf

(85 kg) auf „Dona Daria xx“ 17 j. Sch. Stute
von „Blue Revion“ aus der „Mintmaster“
Besitzer: Reiter

Weile

4. Tuengerthal, Gert

(90 kg) auf „Peacock“, 7 j. br. W/Mecklenburger
Saison hinter der Meute: 2
Besitzer: Reiter

Hamburger Schleppjagd-Verein e.V. - Gut Schnede - 21444 Vierhöfen - Telefon: (04172) 1294 - Fax: (04172) 961366 - email@hsjv.com